Gründe für ein verändertes Endoparasitenmanagement der Pferde

A) Gesetzliche Gründe

Die tierärztliche Hausapothekenverordnung bietet den Tierärzten klare Vorgaben hinsichtlich der Behandlungen von Tieren ( und somit auch den Pferden ).

In Par. 12 ( Abgabe der Arzneimittel an Tierhalter durch Tierärzte ) wird angegeben, dass apothekenpflichtige Arzneimittel (hierzu zählen Entwurmungspräparate)  durch Tierärzte an Tierhalter nur im Rahemen einer ordnungsgemäßen Behandlung abgegeben werden dürfen.

Eine ordnungsgemäße Behandlung wird in diesem Par. 12 Absatz 2 auch näher definiert. Es bedeutet dass (Einzel-) Tiere oder der Tierbestand

- in angemessenem Umfang ( vorab ) untersucht worden sind

- die Anwendung des Arzneimittels ( hier der Wurmkur bei jedem Einzeltier ) vom Tierarzt kontrolliert wird

- UND  der Behandlungserfolg vom Tierarzt kontrolliert wird.

Betrachtet man die derzeit auf dem Markt befindlichen Empfehlungen / Systeme etc. so ist einzig ( bislang übrigens unwidersprochen selbst von Kritikern der Zeitgemäßen ( + Selektiven) Entwurmung) die Methode der Zeitgemäßen ( +Selektiven) Entwurmung als Konform entsprechend den gesetzlichen Anforderungen anzusehen.

 

B) Epidemiologische Gründe

Die epidemiologischen Grundlagen, die zur Einführung der Zeitgemäßen (+Selektiven) Entwurmung geführt haben können sie in folgendem Auszug nachlesen:
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C) Medizinisch-Wissenschaftliche Gründe

Die Methode der Zeitgemäßen (+Selektiven) Entwurmung befasst sich mit allen für Pferde wichtigen Endoparasiten.

Im besonderen Fokus stehen die „kleinen Strongyliden“, da heutzutage die meisten erwachsenen Pferde von dieser Wurmart befallen sind.

Bei der Methode der Zeitgemäßen (+Selektive) Entwurmung ist es primär wichtig, ein fortlaufendes Monitoring durchzuführen.

Somit können Infektionen eines Bestandes / eines einzelnen Tieres und die damit verbundenen Resistenzen

  • ermittelt
  • überwacht
  • gezielt und effektiv bekämpft
  • sowie über Jahrzehnte hinweg dokumentiert werden

Neben den „kleinen Strongyliden“ werden auch Infektionen mit folgenden ebenso wichtigen Wurmarten in einem zeitgleichen Monitoring-Verfahren primär überwacht:

  • Bandwürmer

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  • Spulwürmer

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  • große Strongyliden

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Sollten sich klinische Anzeichen von seltenen Wurminfektionen wie Oxyuris, Lungenwürmer, Leberegel etc. ergeben, werden hierfür zusätzliche und weiterführende Untersuchungen durchgeführt.

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Oxyuris (Pfriemenschwanz)

Lungenwurmlarve

(Quelle: Dieses Bild wurde dankenswerterweise vom Institut für Parasitologie, Universität Zürich, zur Verfügung gestellt.)

Leberegel

D) Resistenzlage als weiterer Grund

Viele Pferdetierärzte sind stark an einem veränderten Management der Endoparasiten bei den Pferden interessiert, da es immer mehr und immer öfters nachgewiesen eine bereits erschreckend große und zunehmende Resistenzlage
gegen diverse Pferde-Entwurmungsmittel weltweit gibt.

Die Gründe für die fortschreitenden Resistenzbildung(-en) sind gut gemeinte, aber leider oft nicht hilfreiche oder auch teilweise gegensätzlich wirkende Strategien und Maßnahmen bei den derzeitig durchgeführten Pferde-Entwurmungen bzw. vorgeschlagenen Strategien wie:

  • regelmäßige Entwurmungen (ohne spätere Erfolgskontrollen) und leider
  • oft zu häufige Entwurmungen (ohne nachgewiesene Notwendigkeit).

Dabei muss vorweg dem Leser dieser Seite ganz klar sein, dass NICHT die Pferde gegen bestimmte Entwurmungs-Präparate resistent werden.

Vielmehr werden bestimmte Wurmarten (oftmals stallspezifisch) resistent
gegen die bekannten Pferde-Entwurmungsmittel.

Weitere Gründe für die resultierenden Resistenzlagen sind:

  • Falsch dosierte Wurmkurgaben (zumeist durch falsche Gewichtseinschätzungen der Pferde)
  • Häufige und strategische Entwurmung (z.B. immer 4x im Jahr / immer wechselnde Präparate, etc..)
  • Fehlende Kontrolle der Wirksamkeit (selten werden Kontroll-Kotproben angeboten oder durchgeführt)
  • Entwurmung ohne vorherige Diagnostik  beim einzelnen Pferd
  • Entwurmung ohne Kenntnis des Infektionsdruckes im gesamten Bestand

Vergleich mit Resistenzentwicklungen gegen ANTIBIOTIKA

Ähnlich wie bei dem bekannten Problem der Resistenzentwicklung gegen Antibiotika gibt es auch bei den Entwurmungsmitteln einen zunehmenden Verlust der Wirksamkeit.

Diese besorgniserregenden Resistenzen haben führende Parasitologen dazu veranlasst, einen neuen Weg im Kampf gegen Parasiten einzuschlagen.

Herausgekommen ist dabei eine NEUE Methode der Bekämpfung unter dem Namen

"Zeitgemäße (+Selektive) Entwurmung der Pferde (seit 2011)"


Ganz wichtig hierbei sind folgende Punkte :

  • Die Zeitgemäße (+Selektive) Entwurmung basiert auf dem fortlaufenden Monitoring
    durch diagnostische Kotproben-Untersuchungen (vor geplanten und nach durchgeführten
    Entwurmungen)
  • Die "Ei-Ausscheidungen" durch Untersuchungen von Pferdekotproben (des einzelnen Pferdes oder
    des ganzen Bestandes) werden
    - überprüft
    - dokumentiert und
    - bewertet

Mit einem speziellen Programm können dann alle gesammelten Werte kontrolliert und bewertet werden.
Die Besitzer und ( falls nicht ausdrücklich von den Besitzern untersagt ) auch die Stallbesitzer erhalten bei Interesse gerne diverse Zusammenfassungen und Diagramme der Ei-Ausscheidungs-Dynamik und der Ei-Ausscheidungs-Höhen
jedes einzelnen Pferdes als auch des gesamten Bestandes.